Gesellschaftliche Partizipation und Identitätsbildung: Der Kampf um politische, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe in Luxemburg im europäischen Zusammenhang von den 1930er Jahren bis heute

SCHEME: CORE

CALL: 2011

DOMAIN: SC - Identities, Diversity and Interaction

FIRST NAME: Sonja

LAST NAME: Kmec

INDUSTRY PARTNERSHIP / PPP: No

INDUSTRY / PPP PARTNER:

HOST INSTITUTION: University of Luxembourg

KEYWORDS: IdentitätDiversitätIntegrationPartizipationNationGenderMigrationErinnerung

START: 2012-01-15

END: 2015-01-14

WEBSITE: https://www.uni.lu

Submitted Abstract

Das Projekt fragt nach Formen und Ausmaß von Partizipation und Repräsentation in einer Gesellschaft, die zwischen Staatsbürgern, Migranten und Grenzgängern gespalten ist, nach identitätsbildenden Prozessen von Selbst- und Fremdzuschreibungen verschiedener Gesellschaftsgruppen und nach Veränderungen der sozialen Kohäsion. Im Zentrum der Untersuchung stehen spezifische soziale Räume, insbesondere von Migranten und religiösen Gruppen.Untersucht werden die historischen Wurzeln der tief greifenden Spaltung der luxemburgischen Gegenwartsgesellschaft bis in die Zeit der großen Immigrationswellen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die vor allem das südluxemburgische Industrierevier betrafen. Gleichzeitig analysiert es die neueren Phasen der luxemburgischen Nationsbildung, die in den 1930er Jahren unter den Druck einer völkisch-politischen Agitation jener Kräfte geriet, die einen Großteil der Einwohner Luxemburgs als Teil der deutschen „Volksgemeinschaft“ betrachteten. Es betrachtet die Wirkungen der erneuten Besetzung des Landes durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg und der nachfolgenden nationalsozialistisch geführten deutschen „Zivilverwaltung“ Luxemburgs auf die Identitäten der Einwohner des Landes. Besonders analysiert es die Vereinnahmung Luxemburgs und seiner Bevölkerung durch das „Großdeutsche Reich“, mit der Konsequenz der Reichsarbeits- und Wehrdienstpflicht für Tausende junger Luxemburgerinnen und Luxemburger in RAD und Wehrmacht. Aber es widmet auch jenen Bevölkerungsteilen seine Aufmerksamkeit, die, wie Kommunisten und Juden, Opfer einer scharfen nationalsozialistischen Verfolgung wurden, die zu Folter, Deportation und Ermordung führte. Das Projekt untersucht die bis in die Gegenwart hinein wirksame Konkurrenz der Opfergruppen in Politik und Erinnerungskultur, die die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und die Verbrechen der Deutschen Wehrmacht gleichsam spiegelverkehrt abbildet: -den Widerstand gegen Besatzung, Zwangsrekrutierung und Verfolgung, -den Kampf der zwangsrekrutierten luxemburgischen Frauen und Männer für die Anerkennung der Zwangsrekrutierung als spezifisch nationalsozialistisches Unrecht, -das Schicksal der politischen Gegner der Nationalsozialisten,-die Opfer der nationalsozialistischen „Rassen“- und „Volkstums“-Ideologie,-und deren Position in der Memorialkultur Luxemburgs und seiner Nachbarländer, es geht aber auch der Frage der Kollaboration systematisch nach.Auf diese spezifisch luxemburgischen Identitäten und Memorialkulturen trafen die seit den 1970er Jahren erheblich verstärkte Immigration sowie die Grenzgänger aus den benachbarten Regionen und schließlich zahlreiche Flüchtlinge aus Krisenregionen. Gleichzeitig wandelte sich Luxemburg von einer montanindustriell zu einer vom Dienstleistungssektor dominierten Ökonomie im Zeichen des europäischen Integrationsprozesses und des Aufbaus des Finanzplatzes Luxemburg sowie einer vertieften Demokratisierung der luxemburgischen Gesellschaft. Das Projekt verfolgt seine Fragestellung mit einem interdisziplinären Forschungsansatz, der Luxemburgforschung und internationale Komparatistik mit einer “Verknüpfungsgeschichte” verbindet und sich im Anschluss an sein Vorgängerprojekt auf fünf Bevölkerungsgruppen konzentriert:1. Migrantinnen und Migranten,2. Beschäftigte des gewerblichen und des Dienstleistungssektors,3. Landwirte und andere Teile der ländlichen Gesellschaft,4. Frauen und Angehörige sexueller Minderheiten,5. Angehörige kultureller Minoritäten (Juden, Muslime, kleinere christliche Konfessionen, Agnostiker, Atheisten, Freimaurer).Die europäische Perspektive eröffnet das Projekt, indem es die spezifisch luxemburgischen Entwicklungen kontextualisiert und Qualifikationsarbeiten sowie Postdoc-Projekte als historische Vergleiche mit anderen europäischen Ländern und Regionen anregt.

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