Luxemburgischer Familiennamenatlas (FLA): Sprach- und kulturwissenschaftliche Untersuchungen des Familiennamenbestandes in Luxemburg

SCHEME: CORE

CALL: 2008

DOMAIN: ID - Identities, Diversity and Integration

FIRST NAME: Peter

LAST NAME: Gilles

INDUSTRY PARTNERSHIP / PPP: No

INDUSTRY / PPP PARTNER:

HOST INSTITUTION: University of Luxembourg

KEYWORDS: Linguistik, Sprachgeschichte, Namenkunde (Onomastik), Kulturwissenschaft, Migration (Onomastik), Bevölkerungsentwicklung

START: 2009-05-01

END: 2012-04-30

WEBSITE: https://www.uni.lu

Submitted Abstract

Projektiert ist ein dynamischer Familiennamenatlas des Luxemburgischen. Er soll die Verbreitung vonNamen, Namentypen und Namenbildungsweisen in Luxemburg dokumentieren und in interdisziplinäremKontext erschließen. Geplant ist die Eingliederung der Ergebnisse innerhalb eines europäischenForschungskontextes. Es handelt sich um ein transdisziplinäres Unternehmen, da Familiennamen nichtnur Gegenstand der linguistischen Onomastik, sondern auch eine Quelle für kulturwissenschaftliche,gesellschaftswissenschaftliche und rechtshistorische Disziplinen sind. Für Luxemburg selber wird dasProjekt unmittelbar Fragen der Mehrsprachigkeit, der Mobilität, der Interkulturalität und der Identitätprototypisch dokumentieren und analysieren können. Ferner deckt das Vorhaben ein breitesInteressengebiet innerhalb der luxemburgischen Gesellschaft ab. Die notwendigen Grunddaten liegenbereits in elektronischer Form vor, sie müssen nur entsprechend für das Projekt aufbereitet werden.Die Familiennamen sind der einzige Bereich der europäischen Sprachen, welcher in seiner – sehrausgeprägten – räumlichen Vielfalt noch höchst unzureichend erfasst ist. Noch sind die geschichtlichgewachsenen Namenlandschaften in erstaunlicher Stabilität erhalten. Sie sollen in Luxemburg auf derBasis der existierenden Erhebungen und für die Gegenwart auf der Basis von existierenden statistischenDaten anhand systematisch ermittelter und durch repräsentative Beispiele abgedeckter Themenkomplexeanalysiert werden. Die Ergebnisse sollen einerseits in einem dreibändigen Atlas mit ca. 200kommentierten Hauptkarten zu verschiedenen Fragekomplexen dargestellt, andererseits bei Projektendeim Internet für individuelle Recherchen bereit gestellt werden.Philologischen und kulturhistorischen Interessen wird auch durch einen lexikalischen Teil Rechnunggetragen werden, der jeweils den spezifischen Aussagewert der fünf unterschiedlich motiviertenFamiliennamenklassen (aus Rufnamen, nach Herkunft, Wohnstätte, Beruf, körperlichen odercharakterlichen Merkmalen) sowie die Spezifika des Luxemburger Raumes beleuchtet. Dadurch wird dieluxemburgische Namenforschung erstmals auf ein tragfähiges Fundament rezenter Daten gestellt, das dieÜberprüfung alter und besonders die Entwicklung neuer Fragestellungen ermöglicht. Ferner wird – daNamen sich gegenüber anderen Sprachbereichen retardiert entwickeln – eine erstrangige Quelle für dieSprachgeschichte, insbesondere die Rekonstruktion gesprochener mittelalterlicher Dialekte erschlossen,schließlich ein hilfswissenschaftliches Instrument für Fächer von der Kirchen- und Sozialgeschichte biszur Siedlungs- und Migrationsforschung bereitgestellt.Eine dynamische Ausrichtung/Dimension erhält der LFA insofern, als durch die früher erhobenenNamendaten aus den 1930er eine vorzügliche, verlässliche und gut aufbereitete Namengrundlagebereitsteht, die in Relation zu den Namendaten von heute gesetzt werden sollen. Auf diese Weise lassensich die Bevölkerungsbewegungen der letzten 70-80 Jahre dokumentieren, was auch für die historischeNamenforschung von größtem Interesse ist. Es wird erst dann mit Sicherheit gesagt werden können, inwelchem Umfang, in welcher räumlichen Ausdehnung und in welche Richtung die an ihre Trägergebundenen Namen wandern. Auch bzgl. der germanisch-romanischen Namengrenze sindmöglicherweise aufschlussreiche Verschiebungen zu erwarten.

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